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Best of Schnaps 2014

BoSurkunde14 MITTEL

HOCHKLASSIGES MATCH UM DEN TITEL

Hermann Botolen und Vene Maier haben die besten Schnäpse des Jahres verkostet. VINARIA und das Büro BrandNews verleihen den Top-Schnapsbrennereien die Siegertitel.
Text: Vene Maier / Fotos: Erich Reismann

Wir haben – Hurra! – einen Sieger: Knapp wie bei einem WM-Slalom auf dem Ganslernhang liegen die Zweitplazierten lediglich ein paar Hundertstel-Punke hinter dem strahlenden Sieger. Es gewinnt die Brennerei Wetter aus Missingdorf vor den beiden punktegleichen Zweitplatzierten, der Brennerie Krenn aus dem Yspertal und der Brennerei Rochelt aus dem Inntal. Alle drei Brennereien, die sich auf dem Stockerl mit dem Titel „Brennerei des Jahres 2014“ wiederfinden, haben sich mit je vier Sortensiegern knapp aber entscheidend durchgesetzt. Ausschlaggebend für die Ermittlung der Stockerlplätze waren dann die Wertungen bei den zweiten und dritten Plätzen. Ganz einfach, ganz olymisch (nur mit weniger Budget).

Schnaps des Jahres: Williamsbrand 2011 / Brenner des Jahres: Reinhard Wetter / ©s.fracaro, brandnews

Schnaps des Jahres: Williamsbrand 2011 / Brenner des Jahres: Reinhard Wetter / ©s.fracaro, brandnews

Well done, kann man da nur sagen. Gut gemacht, und es war spannend wie schon lange nicht. Letztlich hat ein Schnaps den Ausschlag gegeben, und das wurde dann auch gleich unser „Schnaps des Jahres 2014“: Der Edelbrand von der Williamsbirne aus dem Jahr 2011 von Reinhard und Helga Wetter. Ein betörend fruchtiger und eleganter Schnaps aus vollreifen und saftigen Birnen, der sich in einem hochklassigen Match mit einem halben Dutzend anderer hervorragender Williamsbrände durchgesetzt hat.

Man nehme nur den Williamsbrand aus dem Jahr 2010, ebenfalls aus dem Hause Wetter, oder die edlen Brände aus nämlicher Frucht von den Brennereien Reisetbauer und Parzmair. Beides Schnäpse, die jederzeit eine Williams-Verkostung gewinnen können, wie dies auch beim Williamsbrand von Rudi Schwarzer der Fall ist. Bei uns ging der W47 von Schwarzer leider „leer“ aus, weil dieser dichte und kompakte Schnaps trotz einer Punktezahl von 19,25 nur den 5. Platz im Sortenranking belegte. Da muss man schon auch sagen, dass das ein Pech ist, und dass es in diesem Jahr echt nicht leicht war, die hervorragend bestückte Williams-Verkostung zu gewinnen.

Und noch eine Bemerkung zum Williams-Ranking: Sollte sich ein VINARIA-Leser fragen, warum der Wetter gleich mit zwei Williamsbränden gewonnen und ob man da nicht den gleichen Schnaps einfach zweimal etikettiert hat, müssen wir auf unseren Vertrauensgrundsatz verweisen. Der besagt, dass wir den Produzenten uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen, was den Inhalt ihrer Flaschen und die Angaben auf dem Etikett betrifft. Werden also zwei Jahrgänge derselben Sorte eingereicht, glauben wir dem Produzenten, dass er auch zwei Ernten eingebracht und jede für sich verarbeitet hat. Im Falle der Wetter-Williamsbrände weist das darauf hin, dass dieser Mann einfach ein großer Könner im Umgang mit seinen Früchten – seinen eigenen zumal – ist. Also vor allem auch ein Zeichen von überragender Qualitätsarbeit.

Dieses, also qualitativ herausragende Arbeit, leisten auch andere heimische Schnapsbrenner: Alexander Rainer von der Brennerei Rochelt, der seit dem Tod von Gründer Günter Rochelt dessen einzigartige Brennerei führt und seither Jahr für Jahr mit neuen Glanzlichtern versieht, ebenso wie Hans Krenn, der umtriebige Wirt und Schnapsbrenner aus Stangles im Yspertal, der mit viel Herz und Leidenschaft für die Sache des 100 Prozent echten Schnapses ausgestattet ist. Wie alle Schnapsbrenner reichen auch Rainer und Krenn nur jene Schnäpse zur VINARIA-Verkostung ein, die neu im Programm sind. Allerdings stehen im aktuellen Angebot der Brennereien – siehe dazu zB die Best-of-Liste der Brennerei Rochelt – noch eine Reihe von Schnäpsen, die wir bereits in einem der vergangenen Jahre beurteilt haben. In unser Jahresranking fließen freilich nur jene Proben ein, die wir im jeweiligen Jahr verkostet und bewertet haben.

Ohne unser Ranking selbst meucheln zu wollen, ist dies ein Aspekt, den der Leser quasi mitdenken soll. Schließlich wollen weder die Produzenten jedes Jahr dieselben Schnäpse von uns verkosten lassen noch wollen die Konsumenten wissen, ob wir dieselbe Probe ein oder zwei Jahre später gleich beurteilen und bewerten wie bei der Erstverkostung. In aller Regel verändern sich die Schnäpse, wenn sie einmal in Flaschen gefüllt sind, nicht mehr so stark, dass eine wirklich gravierende Verbesserung (oder Verschlechterung, was allerdings schon mal der Fall sein kann) zu vermelden wäre. Und weil der Schnaps so eine stabile innere Gemütslage aufweist, ist er auch ein Garant für über Jahre gleich bleibende Qualität.

Solche Garantien von stets hoher bis höchster Qualität weisen auch die anderen Betreibe auf, die es in unsere Liste der Top-Ten geschafft haben. Alois Gölles und Hans Reisetbauer, Anton und Christoph Vogl von der Brennerei Guglhof, die Brennereien Parzmair und Ziegler sowie die Pfau-Brennerei von Valentin Latschen sind alles wahre Größen einer Branche, deren guter Ruf ihnen mittlerweile weit über die Grenzen vorauseilt. Über Gölles und Reisetbauer noch Ovationen zu gießen hieße doch nur, weitere Eulen nach Athen zu tragen. Aber auf ihre Verdienste dürfen wir dennoch mit dem Hinweis aufmerksam machen, dass beide schon den Titel „Brennerei des Jahres“ in ihren Häusern ausstellen dürfen und beide auch noch einen „Schnaps des Jahres“ offerieren. Mit jeweils drei Sortensiegern zählen beide Brennereien auch heuer wieder zu den ganz Großen.

Der Guglhof aus Hallein ist ja bereits eine Institution mit dem Charakter eines traditionellen Leitbetriebs. So viele hochwertige Schnäpse aus einem alten Lagerbestand kann wohl kein zweiter Betrieb im Land der Berge aufweisen, und soviel an neuen und frischen Bränden wie sie im Guglhof Jahr für Jahr gebrannt werden, gereichen jedem Betrieb zur höheren Ehre. Erste, zweite und dritte Plätze sammelt der Guglhof wie andere Schwammerl, und es sind wie immer nur die subjektiven Kleinigkeiten, die letztlich das Ranking bestimmen. Zu den Big Five der heimischen Schnapsbranche gehört der Paradebetrieb aus Salzburg ja allemal, und auch heuer hat er mit einem ganzen Dutzend Bränden auf dem Stockerl die umfangreichste Range abgeliefert.

Die Brennerei Parzmair ist mit der Betriebsübernahme durch Franz Ratzinger quasi ein Newcomer in unseren jährlichen Verkostungen, zeigt sich aber jetzt schon kontinuierlich in hervorragender Form – dieses Jahr mit zwei Sortensiegern, einem auffälligen und fein balancierten Gin und einem saftigen und sehr schönen Kirschbrand. Dazu lieferte Ratzinger mit der Williamsbirne aus dem Jahrgang 2013 einen herrlich erfrischenden und mit hoher Typizität ausgestatteten Williamsbrand. Dazu einen erstklassigen Ribiselschnaps und ebensolche Brände von der Quitte und der Vogelbeere.

Fast erwartungsgemäß liefert die traditisonsreiche und vor allem in Deutschland weltberühmte Brennerei Ziegler Jahr für Jahr Produkte von enormer Kraft und Dichte. Was die Herren Langlois und Marée im schönen Städtchen Freudenberg am Main in die markanten Flaschen der Brennerei Ziegler füllen, hat schon jene hohe Klasse, die dem Ruf der Brennerei auch wirklich gerecht wird. Das gilt nicht nur für die Prunus-Destillate (beide Sortensieger sind Zwetschgenbrände, der eine reif und fassgelagert, der andere von klarer Optik und ebensolcher Fruchtigkeit), sondern auch für die meisten anderen Brände aus Kern- und Steinobst.

Natürlich sind auch die vielen kleinen Betriebe, die mit Sorgfalt und großem Können ihre Schnäpse brennen, jederzeit in der Lage, einen, zwei, drei und mehrere großartige Brände zu produzieren. Man sehe sich nur diese Feinheiten an, die dieses Jahr bei uns glänzend abgeschnitten haben.

Da ist etwa die Brennerei Schüller aus Maria Taferl, eine alte und traditionelle Manufaktur für Gebranntes, die mit drei Klassikern – Kriecherl, Holzbirne und Weichsel – im Ranking gepunktet hat. Gleich wie die Brennerei Lagler aus Kukmirn, die das Erbe des Meisters Kurt Lagler weiterführt und mit ihrem Pannonia-Korn-Malt eine markant ausgefeilte Spezialität anbietet. Oder die Brennerei Wurm & Wurm, in der seit wenigen Jahren Franz Wurms Tochter Irene das Zepter schwingt – das klingt zwar sehr martialisch, ist in Wirklichkeit aber eine eher sanfte Regentschaft – und gleich mit einer ausgefeilten Produktlinie überzeugt. Bei uns war es dieses Jahr insbesondere der Edelbrand von der Weichsel, der als Sortensieger auf die oberste Stufe gehoben wurde.

Und wir freuen uns über alte Bekannte und ihre Schnäpse, die – wie der schon erwähnte Rudolf Schwarzer aus Lienz in Osttirol – mit einem feurigen Marillenbrand und einem ungekünstelt-erdigen Kartoffelbrand überzeugte, ebenso wie über uns bis dato unbekannte Schnapsbrenner wie den Christian Zöchmeister aus Wallern im Seewinkel, der mit seinem Brand aus vermischten Birnen einen Sensationserfolg landen konnte: 19,5 Punkte und somit nur knapp am Titel „Schnaps des Jahres“ vorbei. Wir gratulieren!

Die Schnapsverkostet: Hermann Botolen (links) und Vene Maier  ©kurt-michael westermann

Die Schnapsverkostet: Hermann Botolen (links) und Vene Maier ©kurt-michael westermann

Bemerkungen zur diesjährigen Verkostung

150 Proben von 15 Betrieben: Das war die Vorgabe für die heurigen Verkostungen von „Best of Schnaps 2014“. Das ist für eine professionelle Verkostung nicht die Welt, aber für ein Verkosterduo, bei dem jeder alle Proben zu beurteilen und zu bewerten hat, doch eine Aufgabe, die sich über acht bis zehn Sitzungen erstreckt. Denn manche dieser Proben, die von den beiden Juroren unterschiedlich bewertet wurden – und wir meinen hier Unterschiede, die mehr als zwei Punkte auf unserer 20-Punkte-Skala aufweisen – wurden natürlich noch mal verkostet. Weil auch wir Juroren wissen wollen, wer jetzt eigentlich daneben gelegen hat.

Kommt vor, ist aber nicht die Regel. Nach nunmehr gut und gerne zweihundert Sitzungen haben wir einen schönen Level in unseren Beurteilungen und Beschreibungen der besten Schnäpse dieses Landes (und einiger ausländischer Gäste, die wir immer gern bei uns begrüßen) gefunden. Wenn also starke Abweichungen vorliegen, prüfen wir die Probe neuerlich, um Fehler bei der Bewertung so gering wie möglich zu halten.

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