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Best of Schnaps 2014

BoSurkunde14 MITTEL

HOCHKLASSIGES MATCH UM DEN TITEL

Hermann Botolen und Vene Maier haben die besten Schnäpse des Jahres verkostet. VINARIA und das Büro BrandNews verleihen den Top-Schnapsbrennereien die Siegertitel.
Text: Vene Maier / Fotos: Erich Reismann

Wir haben – Hurra! – einen Sieger: Knapp wie bei einem WM-Slalom auf dem Ganslernhang liegen die Zweitplazierten lediglich ein paar Hundertstel-Punke hinter dem strahlenden Sieger. Es gewinnt die Brennerei Wetter aus Missingdorf vor den beiden punktegleichen Zweitplatzierten, der Brennerie Krenn aus dem Yspertal und der Brennerei Rochelt aus dem Inntal. Alle drei Brennereien, die sich auf dem Stockerl mit dem Titel „Brennerei des Jahres 2014“ wiederfinden, haben sich mit je vier Sortensiegern knapp aber entscheidend durchgesetzt. Ausschlaggebend für die Ermittlung der Stockerlplätze waren dann die Wertungen bei den zweiten und dritten Plätzen. Ganz einfach, ganz olymisch (nur mit weniger Budget).

Schnaps des Jahres: Williamsbrand 2011 / Brenner des Jahres: Reinhard Wetter / ©s.fracaro, brandnews

Schnaps des Jahres: Williamsbrand 2011 / Brenner des Jahres: Reinhard Wetter / ©s.fracaro, brandnews

Well done, kann man da nur sagen. Gut gemacht, und es war spannend wie schon lange nicht. Letztlich hat ein Schnaps den Ausschlag gegeben, und das wurde dann auch gleich unser „Schnaps des Jahres 2014“: Der Edelbrand von der Williamsbirne aus dem Jahr 2011 von Reinhard und Helga Wetter. Ein betörend fruchtiger und eleganter Schnaps aus vollreifen und saftigen Birnen, der sich in einem hochklassigen Match mit einem halben Dutzend anderer hervorragender Williamsbrände durchgesetzt hat.

Man nehme nur den Williamsbrand aus dem Jahr 2010, ebenfalls aus dem Hause Wetter, oder die edlen Brände aus nämlicher Frucht von den Brennereien Reisetbauer und Parzmair. Beides Schnäpse, die jederzeit eine Williams-Verkostung gewinnen können, wie dies auch beim Williamsbrand von Rudi Schwarzer der Fall ist. Bei uns ging der W47 von Schwarzer leider „leer“ aus, weil dieser dichte und kompakte Schnaps trotz einer Punktezahl von 19,25 nur den 5. Platz im Sortenranking belegte. Da muss man schon auch sagen, dass das ein Pech ist, und dass es in diesem Jahr echt nicht leicht war, die hervorragend bestückte Williams-Verkostung zu gewinnen.

Und noch eine Bemerkung zum Williams-Ranking: Sollte sich ein VINARIA-Leser fragen, warum der Wetter gleich mit zwei Williamsbränden gewonnen und ob man da nicht den gleichen Schnaps einfach zweimal etikettiert hat, müssen wir auf unseren Vertrauensgrundsatz verweisen. Der besagt, dass wir den Produzenten uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen, was den Inhalt ihrer Flaschen und die Angaben auf dem Etikett betrifft. Werden also zwei Jahrgänge derselben Sorte eingereicht, glauben wir dem Produzenten, dass er auch zwei Ernten eingebracht und jede für sich verarbeitet hat. Im Falle der Wetter-Williamsbrände weist das darauf hin, dass dieser Mann einfach ein großer Könner im Umgang mit seinen Früchten – seinen eigenen zumal – ist. Also vor allem auch ein Zeichen von überragender Qualitätsarbeit.

Dieses, also qualitativ herausragende Arbeit, leisten auch andere heimische Schnapsbrenner: Alexander Rainer von der Brennerei Rochelt, der seit dem Tod von Gründer Günter Rochelt dessen einzigartige Brennerei führt und seither Jahr für Jahr mit neuen Glanzlichtern versieht, ebenso wie Hans Krenn, der umtriebige Wirt und Schnapsbrenner aus Stangles im Yspertal, der mit viel Herz und Leidenschaft für die Sache des 100 Prozent echten Schnapses ausgestattet ist. Wie alle Schnapsbrenner reichen auch Rainer und Krenn nur jene Schnäpse zur VINARIA-Verkostung ein, die neu im Programm sind. Allerdings stehen im aktuellen Angebot der Brennereien – siehe dazu zB die Best-of-Liste der Brennerei Rochelt – noch eine Reihe von Schnäpsen, die wir bereits in einem der vergangenen Jahre beurteilt haben. In unser Jahresranking fließen freilich nur jene Proben ein, die wir im jeweiligen Jahr verkostet und bewertet haben.

Ohne unser Ranking selbst meucheln zu wollen, ist dies ein Aspekt, den der Leser quasi mitdenken soll. Schließlich wollen weder die Produzenten jedes Jahr dieselben Schnäpse von uns verkosten lassen noch wollen die Konsumenten wissen, ob wir dieselbe Probe ein oder zwei Jahre später gleich beurteilen und bewerten wie bei der Erstverkostung. In aller Regel verändern sich die Schnäpse, wenn sie einmal in Flaschen gefüllt sind, nicht mehr so stark, dass eine wirklich gravierende Verbesserung (oder Verschlechterung, was allerdings schon mal der Fall sein kann) zu vermelden wäre. Und weil der Schnaps so eine stabile innere Gemütslage aufweist, ist er auch ein Garant für über Jahre gleich bleibende Qualität.

Solche Garantien von stets hoher bis höchster Qualität weisen auch die anderen Betreibe auf, die es in unsere Liste der Top-Ten geschafft haben. Alois Gölles und Hans Reisetbauer, Anton und Christoph Vogl von der Brennerei Guglhof, die Brennereien Parzmair und Ziegler sowie die Pfau-Brennerei von Valentin Latschen sind alles wahre Größen einer Branche, deren guter Ruf ihnen mittlerweile weit über die Grenzen vorauseilt. Über Gölles und Reisetbauer noch Ovationen zu gießen hieße doch nur, weitere Eulen nach Athen zu tragen. Aber auf ihre Verdienste dürfen wir dennoch mit dem Hinweis aufmerksam machen, dass beide schon den Titel „Brennerei des Jahres“ in ihren Häusern ausstellen dürfen und beide auch noch einen „Schnaps des Jahres“ offerieren. Mit jeweils drei Sortensiegern zählen beide Brennereien auch heuer wieder zu den ganz Großen.

Der Guglhof aus Hallein ist ja bereits eine Institution mit dem Charakter eines traditionellen Leitbetriebs. So viele hochwertige Schnäpse aus einem alten Lagerbestand kann wohl kein zweiter Betrieb im Land der Berge aufweisen, und soviel an neuen und frischen Bränden wie sie im Guglhof Jahr für Jahr gebrannt werden, gereichen jedem Betrieb zur höheren Ehre. Erste, zweite und dritte Plätze sammelt der Guglhof wie andere Schwammerl, und es sind wie immer nur die subjektiven Kleinigkeiten, die letztlich das Ranking bestimmen. Zu den Big Five der heimischen Schnapsbranche gehört der Paradebetrieb aus Salzburg ja allemal, und auch heuer hat er mit einem ganzen Dutzend Bränden auf dem Stockerl die umfangreichste Range abgeliefert.

Die Brennerei Parzmair ist mit der Betriebsübernahme durch Franz Ratzinger quasi ein Newcomer in unseren jährlichen Verkostungen, zeigt sich aber jetzt schon kontinuierlich in hervorragender Form – dieses Jahr mit zwei Sortensiegern, einem auffälligen und fein balancierten Gin und einem saftigen und sehr schönen Kirschbrand. Dazu lieferte Ratzinger mit der Williamsbirne aus dem Jahrgang 2013 einen herrlich erfrischenden und mit hoher Typizität ausgestatteten Williamsbrand. Dazu einen erstklassigen Ribiselschnaps und ebensolche Brände von der Quitte und der Vogelbeere.

Fast erwartungsgemäß liefert die traditisonsreiche und vor allem in Deutschland weltberühmte Brennerei Ziegler Jahr für Jahr Produkte von enormer Kraft und Dichte. Was die Herren Langlois und Marée im schönen Städtchen Freudenberg am Main in die markanten Flaschen der Brennerei Ziegler füllen, hat schon jene hohe Klasse, die dem Ruf der Brennerei auch wirklich gerecht wird. Das gilt nicht nur für die Prunus-Destillate (beide Sortensieger sind Zwetschgenbrände, der eine reif und fassgelagert, der andere von klarer Optik und ebensolcher Fruchtigkeit), sondern auch für die meisten anderen Brände aus Kern- und Steinobst.

Natürlich sind auch die vielen kleinen Betriebe, die mit Sorgfalt und großem Können ihre Schnäpse brennen, jederzeit in der Lage, einen, zwei, drei und mehrere großartige Brände zu produzieren. Man sehe sich nur diese Feinheiten an, die dieses Jahr bei uns glänzend abgeschnitten haben.

Da ist etwa die Brennerei Schüller aus Maria Taferl, eine alte und traditionelle Manufaktur für Gebranntes, die mit drei Klassikern – Kriecherl, Holzbirne und Weichsel – im Ranking gepunktet hat. Gleich wie die Brennerei Lagler aus Kukmirn, die das Erbe des Meisters Kurt Lagler weiterführt und mit ihrem Pannonia-Korn-Malt eine markant ausgefeilte Spezialität anbietet. Oder die Brennerei Wurm & Wurm, in der seit wenigen Jahren Franz Wurms Tochter Irene das Zepter schwingt – das klingt zwar sehr martialisch, ist in Wirklichkeit aber eine eher sanfte Regentschaft – und gleich mit einer ausgefeilten Produktlinie überzeugt. Bei uns war es dieses Jahr insbesondere der Edelbrand von der Weichsel, der als Sortensieger auf die oberste Stufe gehoben wurde.

Und wir freuen uns über alte Bekannte und ihre Schnäpse, die – wie der schon erwähnte Rudolf Schwarzer aus Lienz in Osttirol – mit einem feurigen Marillenbrand und einem ungekünstelt-erdigen Kartoffelbrand überzeugte, ebenso wie über uns bis dato unbekannte Schnapsbrenner wie den Christian Zöchmeister aus Wallern im Seewinkel, der mit seinem Brand aus vermischten Birnen einen Sensationserfolg landen konnte: 19,5 Punkte und somit nur knapp am Titel „Schnaps des Jahres“ vorbei. Wir gratulieren!

Die Schnapsverkostet: Hermann Botolen (links) und Vene Maier  ©kurt-michael westermann

Die Schnapsverkostet: Hermann Botolen (links) und Vene Maier ©kurt-michael westermann

Bemerkungen zur diesjährigen Verkostung

150 Proben von 15 Betrieben: Das war die Vorgabe für die heurigen Verkostungen von „Best of Schnaps 2014“. Das ist für eine professionelle Verkostung nicht die Welt, aber für ein Verkosterduo, bei dem jeder alle Proben zu beurteilen und zu bewerten hat, doch eine Aufgabe, die sich über acht bis zehn Sitzungen erstreckt. Denn manche dieser Proben, die von den beiden Juroren unterschiedlich bewertet wurden – und wir meinen hier Unterschiede, die mehr als zwei Punkte auf unserer 20-Punkte-Skala aufweisen – wurden natürlich noch mal verkostet. Weil auch wir Juroren wissen wollen, wer jetzt eigentlich daneben gelegen hat.

Kommt vor, ist aber nicht die Regel. Nach nunmehr gut und gerne zweihundert Sitzungen haben wir einen schönen Level in unseren Beurteilungen und Beschreibungen der besten Schnäpse dieses Landes (und einiger ausländischer Gäste, die wir immer gern bei uns begrüßen) gefunden. Wenn also starke Abweichungen vorliegen, prüfen wir die Probe neuerlich, um Fehler bei der Bewertung so gering wie möglich zu halten.

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Bitter macht lustig

Alois Gölles hat einen Edelbitter von schwarzen Nüssen hergestellt – ein ausgewogener und spritziger Apero für sonnige Nachmittage und den frühen Abend.

Verkostnotizen: Nase nach grünen Nüssen und Wermuth, florale Duftigkeit, leichter Zug ins Dentale / schöne Fruchtigkeit am Gaumen, kräftige Bitternote, rauchige Komponenten von Lakritze und Süßholz / Assoziationen an Averna, aber am Gaumen wesentlich mehr Süße / wird mit Zitrusscheibe und angedrückter Limette ausgewogener und spritziger / serviert leicht angekühlt mit Eiswürfeln ein sehr schöner Apero! Auch als Digestif am Ende eines menüvollen Abends wohlgeeignet.

Was gut beginnt, wird sicher gut

Fein, wenn die Hendl-Klasse viel Platz bietet: allein auf einem 3er-Sitz reist es sich ganz unbeschwert. Guter Anfang, Qatar Air! Und am Doha-Airport musst du es nur noch schaffen in die Lounge zu schlüpfen, dann bist du voll gut aufgehoben.

Und gleich die royale Enfield besorgen und die Brücke over Tirakol River besichtigen:

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auch nicht schlecht: Chicken mit Aussicht auf Querem Beach

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Best of Schnaps 2013

Best of Schnaps 2013 /  Die Siegerbrände 

RANKING_Best of Schnaps_2013

++Die TOP-TEN_Schnapsbrenner

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Fotos by © Kurt-Micheal Westermann

ALTE MEISTER, REIFE SCHNÄPSE

Hermann Botolen und Vene Maier haben für VINARIA die Top-Schnäpse des Jahres 2013 verkostet, beschrieben und bewertet

Text: Vene Maier / Fotos: Kurt-Michael Westermann 

Okay. Wir werden damit zurecht kommen. Es ist jetzt trüb, Nebel und Nieselregen sind unsere Begleiter. Also suchen wir Trost: gute Nachrichten (die Nebel werden sich lichten), gute Aussichten (Sonne und Schnee werden kommen), gute Drinks werden wir uns einschenken – wir brauchen jetzt mehr denn je das Wärmende, das Gehaltvolle, das, was uns gute Laune macht. Guten Schnaps zum Beispiel. Und Sie haben Glück: Wir haben guten Schnaps, und davon handelt auch der Beitrag, den Sie auf den folgenden Seiten lesen können.

Im Leben eines Schnapskritikers – respektive jener beiden, die alljährlich das „Best of Schnaps“-Ranking für VINARIA erstellen (Foto unten) – gibt es auch schöne Momente. Einmal ist es ein besonderer, herausragender Brand, dann ist es eine geglückte Kombination von mehreren Obstsorten (auch der gute alte Obstler kommt immer wieder zu neuen Ehren), und generell ist es das allgemeine und auf hohem Level stabilisierte Niveau heimischer Obstbrände. In den letzten Jahren kommt noch ein Umstand dazu, der sich erst in den Dimensionen von Raum und Zeit entwickeln konnte – der gereifte Schnaps.

Vene Maier / Hermann Botolen/ Foto: ©Kurt-Michael Westermann

Anhand unseres diesjährigen „Schnaps des Jahres“, der XA-Vogelbeere aus dem Jahrgang 1997, destilliert vom Steirer Alois Gölles, sowie am Ranking der Raritäten-Brände mit den beiden fassgelagerten Obstbränden vom Salzburger Guglhof und der deutschen Destillerie Ziegler, lässt sich diese positive Entwicklung bestens darstellen. Mit diesen gereiften Schnäpsen – sowohl im Glas als auch im Fass gelagert – befinden wir uns mitten im Bereich der internationalen Top-Spirits. Jetzt ist ein Vogelbeerschnaps zwar weltweit weithin unbekannt und auch die fassgelagerten Brände aus Apfel und Birne dürfen noch auf Bekanntheitsgewinn hoffen, aber an der Qualität aller drei ist nicht zu rütteln. Eher im Gegenteil: Inhaltlich haben es viele berühmte Marken – egal ob im Bereich Cognac, Rum oder Whisky – schwer, dagegen zu bestehen. Und das übrigens ganz abgesehen vom Preis, der sich im Vergleich zu vielen hochgepimten und hochbezahlten Marken wie ein extraordinäres Schnäppchen anfühlt.

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Schnaps gehört zu diesem Land quasi wie die Lederhose zum Schuhplattler. Oder das Dirndl zum neuen Landleben. Altmodisch zwar, aber altmodisch ist das neue Chic. Zumal, wenn es sich so präsentiert wie die neuen Schnäpse – klarer Inhalt, reife Form, gekonnt verarbeitet von Fachleuten der Destillation, wie wir sie hier bei uns in einer Zahl haben, um die uns andere Länder beneiden können.

Aber: andere Länder, andere (Trink)Gewohnheiten. Dennoch – auch wenn der echte Schnaps nicht der Renner im internationalen Spirits-Geschäft ist – kommt der Schnaps aus “A“ weltweit gut an. Davon zeugen die Bars zwischen Los Angeles und Hongkong und die Regale von Berlin bis Mailand – weltweit sind die Edelbrände aus Österreich in den besten Häusern und den gut sortierten Delikatessengeschäften vertreten.

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Die national und international führenden Marken tragen jene Namen, die auch das Ranking von VINARIA anführen. Der „Pfau“ aus Klagenfurt ist erst jüngst in den Berliner Genusstempel KaDeWe eingestiegen, dort selbst stehen auch die Brände von Ziegler, der Dallmayr in München ist schon längst mit Rochelt und Reisetbauer bestückt, Guglhof  steht in der 1. Class der Lufthansa ebenso wie beim Meinl am Graben, Gölles ist in allen guten – und auch den weniger bekannten und dennoch guten – Restaurants des Landes und in den Regalen der Top-Fachgeschäfte zu finden. Gutes Zeichen: Auch Großkauf- bzw. Großversandhäuser haben echte Schnäpse mittlerweile im Angebot, und diese Entwicklung setzt sich auf einem stabilen Niveau fort.

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An der Spitze des diesjährigen VINARIA-Schnaps-Rankings steht nicht umsonst einer der Traditionsbetriebe des Landes, der Guglhof aus Hallein. Etwaige Fragen nach dem Warum und Wieso sind rein rethorischer Natur, weil die Antworten so klar sind wie ein hochalpiner Gebirgsbach: Durchgehend hohe bis höchste Qualität, eine lange Tradition, eine berauschende Tiefe und eine beeindruckende Reife zeichnen quasi alle Produkte aus der Edelschnapspalette des Halleiner Hauses aus. Hier stimmt die alte dialektische Erkenntnis, dass es auch einer gewissen Quantität bedarf, um eine neue und höhere Stufe der Qualität zu erreichen. Nachdem Anton und Christoph Vogl den Titel „Brenner des Jahres“ auch schon vor drei Jahren für sich in Anspruch nehmen durften, dürfen wir zur heurigen Auszeichnung quasi doppelt, jedenfalls mit der Überzeugung gratulieren, dass in Hallein zwei große Meister die Kunst des Schnapsbrennens ausüben – und uns in der Gewissheit wiegen, dass aus der Davisstraße weiterhin edelste Brände nicht nur aus den Früchten des Landes destilliert werden, sondern in Zukunft auch Spirits internationalen Zuschnitts kommen werden. Top!

Auf dem besten Weg, sich als ein weiterer Top-Schnapsbrenner aus “A“ zu etablieren, ist ein junger Mann namens Franz Ratzinger aus Schwanenstadt, seines Zeichens Brennmeister (und Schwiegersohn) im „Humergut“, der Edelbrandschmiede des im heurigen Frühsommer verstorbenen Ferdinand Parzmair. Nachdem Ratzinger schon im vergangenen Jahr ein Überraschungserfolg gelungen ist, hat er sich heuer fast ganz an die Spitze gesetzt: Nur die geringere Anzahl an „Stockerlplätzen“ hat die Brennerei Parzmair am Sprung auf die oberste Treppenstufe gehindert. Aber nachdem die Hofübergabe von Ferdinand Parzmair an den Schwiegersohn so toll funktioniert hat, steht einem weiteren Erfolgsweg dieses Familienbetriebs nichts im Wege. Und Franz Ratzinger ist entsprechend motiviert: Investitionen in die Obstqualität, neue Produktionsstätten und neue Verkaufsflächen geben ein anschauliches Bild des zukünftigen Weges.

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Wir haben, sozusagen als Dritte im Bunde, zwei der großen Pioniere in Sachen Edelschnaps auf dem Stockerl: Alois Gölles und Hans Reisetbauer. Beide gehen seit Beginn der neuen Schnapsära einen gemeinsamen Weg mit dem einen Ziel: Den Schnaps zu edeln und der Welt zu demonstrieren, dass wir in diesem kleinen Land, das nie (Fussball)Weltmeister wird, doch einiges zu bieten haben. Und sei es nur, das Stamperl zu heben und „Wohl bekomm’s“ zu wünschen. Wir als Verkoster gehen jedenfalls mit nicht unbeträchtlichem Stolz ans Werk des Schnapstrinkens, wenn wir auf funkelnde Juwelen wie die Brände von Gölles und Reisetbauer stoßen. Da geht uns regelrecht der Gaumen auf und es juckt in den Fingern, gleich mal zur Höchstnote zu greifen. Leider werden wir innerredaktionell daran gehindert, allen tollen Schnäpsen die Höchstnote zu geben, aber – da hat unser Redakteur ja eh recht – das glaubt uns dann keiner. Darum stapeln wir nach Maßgabe unserer Eindrücke möglichst tief – damit Alois Gölles und Hans Reisetbauer nicht in die Sphären des Stratosphärischen gelangen – und dann ganz ohne Raumkapsel wieder zurück auf die Erde müssen.

Nein, wir bleiben hier auf unserem Grund und Boden und genießen wieder mal einen „Schnaps des Jahres“ – diesmal die schon erwähnte XA-Vogelbeere vom Meister Gölles aus dem Jahre 1997! Chapeau, Chapeau!

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Brennerei Rochelt: Dem perfekten Schnaps auf der Spur

Wie der Meister, so sein Nachfolger: 
Alexander Rainer, seit dem Tod von Günter Rochelt Chef der (welt)berühmten Brennerei aus Fritzens in Tirol, ist kein Freund plakativer PR. Er, Rainer, und wir, die Verkoster, schätzen uns zwar glücklich und zufrieden, die Rocheltschen Edelschnäpse verkosten (und beschreiben) zu dürfen, aber wir nehmen dabei Rücksicht auf den Wunsch des Chefbrenners: Rochelt-Schnäpse sind zwar auch nur Schnäpse, aber dennoch nicht so ohne weiteres vergleichbar.

Alexander Rainer bei der Marillenernte

Alexander Rainer bei der Marillenernte

Es war schon eine besondere Stunde, als der in Schnapsbrenner- kreisen legendäre Karl-Hubert Gasser (1950-2011) einen Schnaps vorstellte, derbis dahin einzigartig war und es als frühes Meisterwerk auch geblieben ist. Gassers Williams 1991 hat auf alle bis dahin destillierte Obstbrände einen Schatten geworfen. Einen Schatten des handwerklich nicht perfekt gemachten Schnapses. Das hat auch Günter Rochelt so anerkannt und sich durch beharrliche und immer nach Perfektion strebende Arbeit daran gemacht, dieses Prädikat nicht nur in einem einmaligen Werk zu erzielen, er hat dieses Ziel zur Basis seiner gesamten Profession erkoren.

Nach dem Tod dieser großen Männer der Schnapsbranche hält Alexander Rainer deren Spur und führt seit seinem Eintritt in die Schnapsbrennerei die Suche nach dem perfekten Obstbrand weiter. Auch wenn die Voraussetzungen extrem positiv waren, dürfen nicht nur einfach die alten Wege kopiert und das Erbe geschickt verwaltet werden, sondern es bedarf natürlich eines eigenen und besonderen Könnens, dass diese inhaltlichen Qualitäten nochmals gesteigert werden. Soviel dürfen wir nach den vielen Jahren, die wir die Rocheltschen Schnäpse verkostet haben, ohne Übertreibung feststellen: Rainer ist es gelungen, die weltberühmten Schnäpse aus der Brennerei Rochelt nochmals zu verbessern und zu neuen und außergewöhnlichen Höhen zu führen.

Fast so aufregend wie Lachs fischen in Kamtschatka waren und sind die Expeditionen von Rochelt und Rainer, wenn sie auf die Suche nach dem perfekten Obst gehen. Die Vogelbeeren kommen aus dem Norden Finnlands, wo sie hart an der Grenze der Botanik wachsen, die Orangen und Muskattrauben werden in Sizilien geerntet, wenn sie den optimalen Reifegrad erreicht haben, die Ribisel und die Weichsel holt sich Rainer heute noch persönlich aus der Steiermark, bei der Holunderernte ist er vor Ort in der Thermenregion und die Marillenernte geht schon seit vielen Jahren bei ausgewählten Betrieben in der Wachau über die Bühne. Wurde Rochelt zu seiner Zeit noch nicht ganz ernst genommen, wenn er direkt bei den Bauern seine Marillen einmaischte, so ist dies heute schon ein ganz üblicher Vorgang. Aber Pionierleistungen müssen erst einmal erbracht werden, bevor sie als solche überhaupt wahrgenommen werden.

Weitere Kennzeichen und Voraussetzungen für perfekte Schnäpse: Ein komplett ausgerüstetes eigenes Labor steht für allgemein chemische und spezifisch gaschromatographische Untersuchungen zur Verfügung. Hier werden die Rocheltschen Schnäpse analysiert und die Stärken und die Schwächen jeder Charge untersucht. Temperaturgesteuerte Vergärung sind bei professionellen Weingütern und Schnapsbrennereien mittlerweile state of the art, aber nicht jede Destillerie verfügt über gekühlte Maischräume mit unterschiedlichen Kältezonen, in denen dann mit der jeweiligen Fruchtmaische nochmals spezifisch, quasi individuell gearbeitet werden kann. Doppelt gebrannt ist auch nicht immer nur doppelt gebrannt, sondern heißt bei Alexander Rainer, den Rauhbrand noch höher zu nehmen und den Feinbrand noch langsamer und gefühlvoller zu destillieren.

Ein weiterer spezifischer Vorteil ist das große und gut gefüllte Schnapslager. Erstens, weil sich Alexander Rainer dadurch Ernteausfälle „leisten“ kann und in bestimmten Jahren, wenn das Obst nicht optimal für die Destillation geeignet ist, eben keine Ernte eingebracht wird. Zweitens: Das Schnaps-Lager ist bei Rochelt eigentlich der wahre Wert. Hier liegen die Schnäpse hochprozentig in 50-Liter-Ballons und reifen Jahr für Jahr, verlieren dabei Alkohol (Anteil der Engel) und verestern zu einem Schnaps, wie ihn eben nur Rochelt in die Flasche bringt – nämlich mit so wenig Wasser wie nötig, und dann noch in einer Stärke von 50 oder mehr Volumsprozent. Das machte schon Günter Rochelt keiner nach und das macht auch niemand so, wie es Alexander Rainer heutzutage macht (weil es eben nicht einfach um die %vol geht, die auf dem Etikett stehen). Das drückt sich im Ergebnis unserer Verkostungen dann so aus: Von 21 Schnäpsen, die bei Rochelt derzeit im Angebot stehen, haben alle die Marke von 18 BrandNews-Punkten erreicht und über die Hälfte davon sogar die 19-Punkte-Marke. Viel besser geht’s nicht, nur durch viel Feingefühl, durch optimales Obst und ausreichende Reifezeit kann ein solches Ergebnis erzielt werden.

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       Best of Brennerei Rochelt

20,00  Wachauer Marille  2007  50%  ***** / Schnaps des Jahres 2012

Tiefe, deutliche Frucht, fest, geschlossen, kräftiger Charakter, hochkonzentriert, reifes Material; kräuterwürzig, Minze, Zitrus; reife und süße Frucht am Gaumen, komplex und dicht, viel Tiefgang, fette, saftige Textur; Marille in ihrer reinsten Form, dicht, komplex, tolles Volumen, lang und süffig. Weltklasse!; im Abgang sehr typischer und schöner Fruchtton, dicht und kompakt. Schon jetzt ein Höhepunkt, dennoch enorm viel Potential.

20,00   Waldhimbeere  2008    50%   ***** / Schnaps des Jahres 2011

Klare, präsize Frucht, sehr reif und saftig, kernig, grossartige, klassische Nase, ganz typische Nuancen; sehr druckvoll mit klarem Charakter und präzisem Fruchtausdruck, würzig und kernig, toller Druck am Gaumen, fleischig und dicht; eine unglaubliche Fruchexplosion am Gaumen! Je länger desto besser, retronasal und voll Umami. Der reine himbeerige Wahnsinn!

19,75   Basler Kirsche  2005    50 %    *****

Kompakte, sensationelle Nase, reife, saftige Kirsche, rund, dunkelrot, rauchig, feine Anklänge an Mandel und Marzipan; volles Volumen, herrliche Frucht, druckvoll mit saftigem Extrakt, reifer, saftiger Schmelz, sehr komplex und dicht, sehr schöne Würzigkeit; tolle Intensität und Geschmacksvielfalt, sehr reife Komponenten, dicht, konzentriert, voluminös. TOP!

19,75   Wilde Vogelbeere  2003     52 %   *****

Grossartige Nase mit klassischer Frucht, WARM, dicht und saftig; sehr schöner Körper, dichte Struktur und würzige Textur, hochkonzentriert, reif, mit Biss und Druck, saftig, intensiv, weich, rund und mild zugleich; altersmilde Harmonie im Abgang, wunderbare Länge, perfekte Balance, saftiger Schmelz, grosser Auftritt. WELTKLASSE!

19,50    Orange  2006     60 %     *****

Großes Theater in der Nase und am Gaumen, schön und klassisch, sehr typisch; frische Zesten mit Anklängen an Bitterorange, würzige Nase, höchste aromatische Ausformung, klare und sehr fruchtige Typizität; sehr anregende und erfrischende Komponenten am Gaumen, elegante, klare Struktur, gräbt sich tief in die Papillen, ideal für Mundhygiene in tropischen Gegenden (aber auch auf der Skihütte!). Insgesamt ein fruchtig-würziges Vergnügen.

19,50    Quitte   2004       50 %     *****

Klare, schöne Frucht, sehr deutliche, kompakte Aromen, rauchig und ledrig, warm und reif in der Nase; intensiv und sehr schöne, quasi perfekte Fortsetzung am Gaumen, tolle Frucht in perfekter Klarheit, rund, rauchig und feurig, dennoch sehr elegant und nuanciert; rundum nahezu perfekt, am Höhepunkt.

19,35    Weichsel   2005      50 %       *****

Kirschig-weiche Nase, feine Mandelnote, zarter Bitterton, frisch und dezent wildfruchtig; am Gaumen würziger Bitterton, schön eingebundener Steinton, fleischig und komplex, Aromen von Mandel und wilden Kräutern, etwas grüne Reflexe, nussig, dicht, saftig, fleischig, wunderbare Aromatik, präziser Fruchtausdruck! Superb!; rassiger Abgang, kein Schmeichler, aber herzlich und langanhaltend.

19,25   Kriecherl   2006     50 %    *****

Feine klassische Nase, duftig, schöner Steinton, warme, blaufruchtige Nase, weich, würzig, reif; viel Stoffigkeit am Gaumen, schönes Volumen, präzise Frucht, herzhaft, harmonisch, gute Balance, zupackend, kernig und würzig; wilder, kraftvoller Charakter, toller Abgang, insgesamt starker Auftritt, noch Potential.

19,25    Mirabelle   2006     50 %      *****

Schöne Nase, typisch, sehr gelbfruchtig, duftig und klar, saftige Note; fruchtig und typisch am Gaumen, rassig und charaktervoll, weich, stilsicher, heller, klarer Charakter, fein balanciert, dichte, saftige Textur, ausgewogener Körper; insgesamt sehr präzise, würzig, tolle Stilistik.

19,00   Der Inntaler   2006      50 %     *****

Sehr homogene Nase, vielschichtig, differenziert, attraktiv, Birne und Himbeere sehr deutlich, blumige Akzente; saftige Textur am Gaumen, sehr würzig, Quitte präsent, kräftig, dicht, stoffig; feine Balance, gute Struktur, sehr viel Druck, saftig und sehr feinfruchtig; bleibt sehr lange liegen, anhaltende Präsenz, reichlich Potential.

19,00    Kasteler  2003      50 %      *****

Volle tolle Aromen, herbfruchtig, wilde Note, dazu Bitterschoko, rassig; schön gelungene Kombination mit feiner Balance, saftige die Birne, herbfruchtig die Vogelbeere, schon eingebettet in einer würzigen Prunusfrucht; präzise im Ausdruck, vielschichtig und harmonisch; sehr schön im Abgang, anhaltend, abgerundet mit einer erdigen Wurzelnote.