Archiv für den Monat September 2013

Brennerei Rochelt: Dem perfekten Schnaps auf der Spur

Wie der Meister, so sein Nachfolger: 
Alexander Rainer, seit dem Tod von Günter Rochelt Chef der (welt)berühmten Brennerei aus Fritzens in Tirol, ist kein Freund plakativer PR. Er, Rainer, und wir, die Verkoster, schätzen uns zwar glücklich und zufrieden, die Rocheltschen Edelschnäpse verkosten (und beschreiben) zu dürfen, aber wir nehmen dabei Rücksicht auf den Wunsch des Chefbrenners: Rochelt-Schnäpse sind zwar auch nur Schnäpse, aber dennoch nicht so ohne weiteres vergleichbar.

Alexander Rainer bei der Marillenernte

Alexander Rainer bei der Marillenernte

Es war schon eine besondere Stunde, als der in Schnapsbrenner- kreisen legendäre Karl-Hubert Gasser (1950-2011) einen Schnaps vorstellte, derbis dahin einzigartig war und es als frühes Meisterwerk auch geblieben ist. Gassers Williams 1991 hat auf alle bis dahin destillierte Obstbrände einen Schatten geworfen. Einen Schatten des handwerklich nicht perfekt gemachten Schnapses. Das hat auch Günter Rochelt so anerkannt und sich durch beharrliche und immer nach Perfektion strebende Arbeit daran gemacht, dieses Prädikat nicht nur in einem einmaligen Werk zu erzielen, er hat dieses Ziel zur Basis seiner gesamten Profession erkoren.

Nach dem Tod dieser großen Männer der Schnapsbranche hält Alexander Rainer deren Spur und führt seit seinem Eintritt in die Schnapsbrennerei die Suche nach dem perfekten Obstbrand weiter. Auch wenn die Voraussetzungen extrem positiv waren, dürfen nicht nur einfach die alten Wege kopiert und das Erbe geschickt verwaltet werden, sondern es bedarf natürlich eines eigenen und besonderen Könnens, dass diese inhaltlichen Qualitäten nochmals gesteigert werden. Soviel dürfen wir nach den vielen Jahren, die wir die Rocheltschen Schnäpse verkostet haben, ohne Übertreibung feststellen: Rainer ist es gelungen, die weltberühmten Schnäpse aus der Brennerei Rochelt nochmals zu verbessern und zu neuen und außergewöhnlichen Höhen zu führen.

Fast so aufregend wie Lachs fischen in Kamtschatka waren und sind die Expeditionen von Rochelt und Rainer, wenn sie auf die Suche nach dem perfekten Obst gehen. Die Vogelbeeren kommen aus dem Norden Finnlands, wo sie hart an der Grenze der Botanik wachsen, die Orangen und Muskattrauben werden in Sizilien geerntet, wenn sie den optimalen Reifegrad erreicht haben, die Ribisel und die Weichsel holt sich Rainer heute noch persönlich aus der Steiermark, bei der Holunderernte ist er vor Ort in der Thermenregion und die Marillenernte geht schon seit vielen Jahren bei ausgewählten Betrieben in der Wachau über die Bühne. Wurde Rochelt zu seiner Zeit noch nicht ganz ernst genommen, wenn er direkt bei den Bauern seine Marillen einmaischte, so ist dies heute schon ein ganz üblicher Vorgang. Aber Pionierleistungen müssen erst einmal erbracht werden, bevor sie als solche überhaupt wahrgenommen werden.

Weitere Kennzeichen und Voraussetzungen für perfekte Schnäpse: Ein komplett ausgerüstetes eigenes Labor steht für allgemein chemische und spezifisch gaschromatographische Untersuchungen zur Verfügung. Hier werden die Rocheltschen Schnäpse analysiert und die Stärken und die Schwächen jeder Charge untersucht. Temperaturgesteuerte Vergärung sind bei professionellen Weingütern und Schnapsbrennereien mittlerweile state of the art, aber nicht jede Destillerie verfügt über gekühlte Maischräume mit unterschiedlichen Kältezonen, in denen dann mit der jeweiligen Fruchtmaische nochmals spezifisch, quasi individuell gearbeitet werden kann. Doppelt gebrannt ist auch nicht immer nur doppelt gebrannt, sondern heißt bei Alexander Rainer, den Rauhbrand noch höher zu nehmen und den Feinbrand noch langsamer und gefühlvoller zu destillieren.

Ein weiterer spezifischer Vorteil ist das große und gut gefüllte Schnapslager. Erstens, weil sich Alexander Rainer dadurch Ernteausfälle „leisten“ kann und in bestimmten Jahren, wenn das Obst nicht optimal für die Destillation geeignet ist, eben keine Ernte eingebracht wird. Zweitens: Das Schnaps-Lager ist bei Rochelt eigentlich der wahre Wert. Hier liegen die Schnäpse hochprozentig in 50-Liter-Ballons und reifen Jahr für Jahr, verlieren dabei Alkohol (Anteil der Engel) und verestern zu einem Schnaps, wie ihn eben nur Rochelt in die Flasche bringt – nämlich mit so wenig Wasser wie nötig, und dann noch in einer Stärke von 50 oder mehr Volumsprozent. Das machte schon Günter Rochelt keiner nach und das macht auch niemand so, wie es Alexander Rainer heutzutage macht (weil es eben nicht einfach um die %vol geht, die auf dem Etikett stehen). Das drückt sich im Ergebnis unserer Verkostungen dann so aus: Von 21 Schnäpsen, die bei Rochelt derzeit im Angebot stehen, haben alle die Marke von 18 BrandNews-Punkten erreicht und über die Hälfte davon sogar die 19-Punkte-Marke. Viel besser geht’s nicht, nur durch viel Feingefühl, durch optimales Obst und ausreichende Reifezeit kann ein solches Ergebnis erzielt werden.

Marille2007#1k

       Best of Brennerei Rochelt

20,00  Wachauer Marille  2007  50%  ***** / Schnaps des Jahres 2012

Tiefe, deutliche Frucht, fest, geschlossen, kräftiger Charakter, hochkonzentriert, reifes Material; kräuterwürzig, Minze, Zitrus; reife und süße Frucht am Gaumen, komplex und dicht, viel Tiefgang, fette, saftige Textur; Marille in ihrer reinsten Form, dicht, komplex, tolles Volumen, lang und süffig. Weltklasse!; im Abgang sehr typischer und schöner Fruchtton, dicht und kompakt. Schon jetzt ein Höhepunkt, dennoch enorm viel Potential.

20,00   Waldhimbeere  2008    50%   ***** / Schnaps des Jahres 2011

Klare, präsize Frucht, sehr reif und saftig, kernig, grossartige, klassische Nase, ganz typische Nuancen; sehr druckvoll mit klarem Charakter und präzisem Fruchtausdruck, würzig und kernig, toller Druck am Gaumen, fleischig und dicht; eine unglaubliche Fruchexplosion am Gaumen! Je länger desto besser, retronasal und voll Umami. Der reine himbeerige Wahnsinn!

19,75   Basler Kirsche  2005    50 %    *****

Kompakte, sensationelle Nase, reife, saftige Kirsche, rund, dunkelrot, rauchig, feine Anklänge an Mandel und Marzipan; volles Volumen, herrliche Frucht, druckvoll mit saftigem Extrakt, reifer, saftiger Schmelz, sehr komplex und dicht, sehr schöne Würzigkeit; tolle Intensität und Geschmacksvielfalt, sehr reife Komponenten, dicht, konzentriert, voluminös. TOP!

19,75   Wilde Vogelbeere  2003     52 %   *****

Grossartige Nase mit klassischer Frucht, WARM, dicht und saftig; sehr schöner Körper, dichte Struktur und würzige Textur, hochkonzentriert, reif, mit Biss und Druck, saftig, intensiv, weich, rund und mild zugleich; altersmilde Harmonie im Abgang, wunderbare Länge, perfekte Balance, saftiger Schmelz, grosser Auftritt. WELTKLASSE!

19,50    Orange  2006     60 %     *****

Großes Theater in der Nase und am Gaumen, schön und klassisch, sehr typisch; frische Zesten mit Anklängen an Bitterorange, würzige Nase, höchste aromatische Ausformung, klare und sehr fruchtige Typizität; sehr anregende und erfrischende Komponenten am Gaumen, elegante, klare Struktur, gräbt sich tief in die Papillen, ideal für Mundhygiene in tropischen Gegenden (aber auch auf der Skihütte!). Insgesamt ein fruchtig-würziges Vergnügen.

19,50    Quitte   2004       50 %     *****

Klare, schöne Frucht, sehr deutliche, kompakte Aromen, rauchig und ledrig, warm und reif in der Nase; intensiv und sehr schöne, quasi perfekte Fortsetzung am Gaumen, tolle Frucht in perfekter Klarheit, rund, rauchig und feurig, dennoch sehr elegant und nuanciert; rundum nahezu perfekt, am Höhepunkt.

19,35    Weichsel   2005      50 %       *****

Kirschig-weiche Nase, feine Mandelnote, zarter Bitterton, frisch und dezent wildfruchtig; am Gaumen würziger Bitterton, schön eingebundener Steinton, fleischig und komplex, Aromen von Mandel und wilden Kräutern, etwas grüne Reflexe, nussig, dicht, saftig, fleischig, wunderbare Aromatik, präziser Fruchtausdruck! Superb!; rassiger Abgang, kein Schmeichler, aber herzlich und langanhaltend.

19,25   Kriecherl   2006     50 %    *****

Feine klassische Nase, duftig, schöner Steinton, warme, blaufruchtige Nase, weich, würzig, reif; viel Stoffigkeit am Gaumen, schönes Volumen, präzise Frucht, herzhaft, harmonisch, gute Balance, zupackend, kernig und würzig; wilder, kraftvoller Charakter, toller Abgang, insgesamt starker Auftritt, noch Potential.

19,25    Mirabelle   2006     50 %      *****

Schöne Nase, typisch, sehr gelbfruchtig, duftig und klar, saftige Note; fruchtig und typisch am Gaumen, rassig und charaktervoll, weich, stilsicher, heller, klarer Charakter, fein balanciert, dichte, saftige Textur, ausgewogener Körper; insgesamt sehr präzise, würzig, tolle Stilistik.

19,00   Der Inntaler   2006      50 %     *****

Sehr homogene Nase, vielschichtig, differenziert, attraktiv, Birne und Himbeere sehr deutlich, blumige Akzente; saftige Textur am Gaumen, sehr würzig, Quitte präsent, kräftig, dicht, stoffig; feine Balance, gute Struktur, sehr viel Druck, saftig und sehr feinfruchtig; bleibt sehr lange liegen, anhaltende Präsenz, reichlich Potential.

19,00    Kasteler  2003      50 %      *****

Volle tolle Aromen, herbfruchtig, wilde Note, dazu Bitterschoko, rassig; schön gelungene Kombination mit feiner Balance, saftige die Birne, herbfruchtig die Vogelbeere, schon eingebettet in einer würzigen Prunusfrucht; präzise im Ausdruck, vielschichtig und harmonisch; sehr schön im Abgang, anhaltend, abgerundet mit einer erdigen Wurzelnote.

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